Eine kleine Fledermaus fliegt im Mondlicht neben einem Apfelbaum
Einschlafgeschichte

Die kleine Fledermaus im Mondflug

Erzählt vom Mond · Lesezeit: 5 Minuten

Ich bin der Mond. Ich sehe die Nacht, wenn alles langsam still wird.

Heute sah ich einen alten Apfelbaum am Rand einer dunklen Wiese. Tagsüber hatten seine Äste voller Blätter im Wind gerauscht, und zwischen den Zweigen hatten Vögel ihre letzten Lieder gerufen.

Doch nun war der Baum still.

Nur meine Helligkeit hing zwischen den Blättern und ließ einzelne Äpfel matt silbern glänzen.

Eine Weile war nichts zu sehen.

Dann löste sich unter einem Ast ein kleines dunkles Bündel. Es bewegte sich.

Erst nur ein wenig.
Dann ließ es sich kopfüber los und flatterte plötzlich in die Nacht.

Eine kleine Fledermaus.

Ihre Flügel waren dünn und weich wie dunkle Tücher im Mondlicht. Doch ihr Körper war winzig und flauschig. Mit schnellen, leichten Bewegungen flog sie zwischen den Ästen hindurch.

Mal hoch.
Mal tief.
Mal so nah am Mondlicht vorbei, dass ihre Flügel für einen Augenblick silbern aufblitzten.

Ich machte den Himmel ein wenig heller.

Die kleine Fledermaus schoss hinaus über die Wiese. Sie wirkte nicht ängstlich. Nicht hastig. Eher neugierig. Als würde sie heute Nacht prüfen wollen, ob alle Wege der Luft noch an ihrem Platz waren.

Ein Nachtfalter flatterte vor ihr auf. Die Fledermaus machte einen schnellen Bogen. Fast sah es aus wie ein kleines Spiel. Dann jagte sie weiter.

Links herum.
Rechts herum.
Einmal direkt über das hohe Gras.

Dabei war sie so flink, dass man sie manchmal nur als huschenden Schatten sah.

Und doch war nichts an ihr unheimlich.
Im Gegenteil.

Sie wirkte wie ein kleiner fliegender Nachtfunke. Als hätte die Dunkelheit beschlossen, sich selbst Flügel wachsen zu lassen.

Die Fledermaus drehte noch eine Runde um den Apfelbaum. Dann flog sie dicht an einem der glänzenden Äpfel vorbei, streifte fast ein Blatt und schoss wieder nach oben.

Dort kreiste sie kurz vor meinem Licht. Nur ein winziger dunkler Halbkreis vor dem großen hellen Mond.

Ich mochte diesen Anblick. Denn er zeigte, dass auch die Nacht ihre kleinen Kunstflieger hat.

Nach einer Weile wurde ihr Flug ruhiger. Sie glitt zurück zu dem Ast, unter dem sie hervorgekommen war. Mit einem schnellen kleinen Griff hängte sie sich kopfüber wieder daran.

Nun baumelte sie dort. Die Flügel eng am Körper. Nur die kleinen Ohren waren noch zu sehen.

Sie schien zufrieden. Als hätte sie sich überzeugt, dass die Nacht noch genauso groß und spannend war wie gestern.

Ein Blatt bewegte sich neben ihr. Dann wurde auch der Apfelbaum wieder still.

Und ich blieb noch eine Weile am Himmel.

Denn jemand muss da sein, wenn die Welt schläft. 🌙

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